Fassaden verschmutzen planbar. Algen, Mikroorganismen und Schmutzfilme folgen der Wetterseite, der Feuchtebelastung und der Oberflächenrauigkeit. Was nicht planbar ist, ist der Schaden, der bei einer falsch spezifizierten Reinigung entsteht. Eine zu hohe Temperatur löst Beschichtungen, ein zu hoher Druck öffnet Fugen, ein falsches Reinigungsmittel verändert Naturstein irreversibel. Für Architekten und Planer bedeutet das: Die Reinigung ist kein Nachgedanke, sondern ein Bestandteil des Lebenszyklus, der sich beschreiben lässt.
Warum die Spezifikation am Material ansetzen muss
Eine Leistungsbeschreibung, die nur das Ziel benennt, etwa eine saubere Fassade, überlässt das Verfahren dem ausführenden Betrieb. Bei einer homogenen Fläche mag das funktionieren. Sobald jedoch unterschiedliche Materialien aufeinandertreffen, also etwa ein WDVS-Sockel an Klinker grenzt oder Natursteingewände in eine Putzfassade eingesetzt sind, braucht jede Fläche ihre eigenen Grenzwerte. Eine pauschale Position für die gesamte Fassade ist hier die häufigste Fehlerquelle.
WDVS: empfindlich gegen Temperatur und Druck
Wärmedämmverbundsysteme sind die anspruchsvollste Fläche. Der Oberputz liegt auf einer weichen Dämmschicht, oft Polystyrol oder Mineralwolle, und reagiert empfindlich auf mechanische und thermische Belastung. Roher Hochdruck treibt Wasser hinter den Putz und kann die Verklebung schwächen. Zu hohe Temperaturen können organisch gebundene Putze und Anstriche anlösen.
Was in die Spezifikation gehört
- Begrenzter, kontrollierter Druck statt fester Hochdruckangabe. Der Druck wird am Objekt an den Putz angepasst, nicht umgekehrt.
- Temperaturführung, die organische Bindemittel nicht angreift. Heißwassertechnik mit angepasstem Druck arbeitet hier schonender als kalter Hochdruck mit aggressiver Mechanik.
- Eine Wassertemperatur, die Algen und Mikroorganismen abtötet, ohne den Putz zu verfärben.
- Eine Wirkzeit, die ein erneutes Auftreten verzögert, ohne die Oberfläche zu belasten.
Weil WDVS so reagibel ist, ist die Probefläche hier kein Luxus, sondern Pflicht. An einer unauffälligen Teilfläche lässt sich prüfen, wie Putz und Anstrich auf Temperatur, Druck und Mittel reagieren, bevor die gesamte Fassade behandelt wird.
Klinker: robust, aber die Fuge entscheidet
Klinker selbst ist dicht gebrannt und mechanisch belastbar. Das Risiko liegt nicht im Stein, sondern in der Fuge. Mörtelfugen, besonders ältere oder bereits ausgewitterte, vertragen keinen punktuellen Hochdruck. Wird die Fuge ausgespült, dringt Feuchtigkeit in das Mauerwerk, und aus einer reinen Reinigung wird ein Sanierungsfall.
Worauf die Position abzielen sollte
- Flächige statt punktuelle Wasserführung, damit die Fuge nicht ausgewaschen wird.
- Vorabprüfung des Fugenzustands. Lose oder mürbe Fugen werden vor der Reinigung dokumentiert, nicht erst beim Schaden entdeckt.
- Heißwassertechnik mit angepasstem Druck, die Schmutz und Bewuchs löst, ohne die Fuge mechanisch zu zerstören.
- Klare Abgrenzung, was Reinigung ist und was bereits Fugensanierung wäre. Beides sauber getrennt im Leistungsverzeichnis.
Naturstein: hitzeempfindlich und nicht reversibel
Naturstein ist das Material mit dem größten Schadenspotenzial, weil viele Schäden nicht rücknehmbar sind. Kalkgebundene Steine wie Sandstein, Kalkstein oder Travertin reagieren auf hohen Druck. Eine falsche Temperatur hinterlässt Ätzungen, Verfärbungen oder eine veränderte Oberflächenstruktur, die sich nicht zurückbilden. Auch die Saugfähigkeit variiert stark von Stein zu Stein.
Spezifikationshinweise für Naturstein
- Temperatur strikt auf den Steintyp abstimmen. Bei kalkgebundenen Steinen sind säurehaltige Mittel auszuschließen.
- Saugfähigkeit und Empfindlichkeit vorab am Material prüfen, nicht aus dem Datenblatt annehmen.
- Schonende, kontrollierte Verfahren bevorzugen. Auch hier ist die Heißwassertechnik mit angepasstem Druck der mechanisch aggressiven Variante vorzuziehen.
- Bei Bedarf eine Imprägnierung als Schutz gegen erneute Durchfeuchtung und Verschmutzung einplanen, abgestimmt auf die Diffusionsoffenheit des Steins.
Anders als bei Dach und Fassade wird auf Steinflächen bewusst keine mehrjährige Garantie gegeben. Naturstein altert individuell, und die Standzeit hängt stark von Lage, Exposition und Steintyp ab. Eine seriöse Spezifikation beschreibt deshalb das Verfahren und den Schutz, verspricht aber keine pauschale Haltbarkeit über Jahre.
Das Verfahren: kontrollierter Druck statt roher Hochdruck
Quer über alle drei Materialien gilt dasselbe Prinzip. Nicht der höchste Druck reinigt am besten, sondern der passende. Die Heißwassertechnik mit angepasstem, kontrolliertem Druck löst Bewuchs und Schmutzfilme über die Kombination aus Temperatur und Wassermenge, nicht über rohe mechanische Gewalt. Das schont Putz, Fuge und Stein gleichermaßen. Für die Ausschreibung heißt das: Schreiben Sie einen anpassbaren Druckbereich aus, keine feste, hohe Druckzahl.
Langzeitschutz als Teil der Spezifikation denken
Eine gereinigte Fassade ist der Ausgangszustand, nicht das Endziel. Wer den Reinigungszyklus verlängern will, plant den Schutz mit. Auf Dach- und Fassadenflächen verlängert ein Langzeitschutz die Zeit bis zur nächsten Reinigung deutlich. Auf diesen Langzeitschutz gibt es bei Dach- und Fassadenreinigung 4 Jahre Garantie. Auf Naturstein wird stattdessen über eine abgestimmte Imprägnierung gearbeitet, bewusst ohne mehrjährige Garantiezusage. So entsteht eine ehrliche Erwartung statt eines Überclaims.
Checkliste für die Leistungsbeschreibung
- Jede Materialfläche einzeln benannt: WDVS, Klinker, Naturstein, Putz.
- Pro Fläche zulässiger Druckbereich und Temperaturführung definiert.
- Umgang mit Fugen und der Vorabzustand dokumentiert.
- Probefläche als verbindlicher Schritt vor der Vollfläche vorgesehen.
- Langzeitschutz oder Imprägnierung als eigene, materialabhängige Position.
- Reinigung und Sanierung sauber voneinander getrennt.
SVD arbeitet ohne Subunternehmer und ist in sechs Bundesländern tätig: Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg, Hessen, Bayern, Thüringen und Saarland. Nach der Begutachtung erhalten Sie einen verbindlichen Festpreis. Eine erste Preisindikation liefert der Preisrechner, sodass sich der Aufwand bereits in der Planungsphase grob verorten lässt.
